Grille gefällig?

Immer mehr Menschen leben auf der Erde – und alle wollen ihren täglichen Hunger stillen. Deshalb benötigen wir unzählige Lebensmittel, die teilweise nicht schnell genug nachwachsen. In Bremen betreiben Florian Berendt und Melanie Christians die erste Grillenfarm der Region. Sie wollen damit das Essen der Zukunft beeinflussen.

Foto: Ansgar Haase/DPA

Auf die Grille gekommen ist Florian Berendt schon vor zehn Jahren. Seitdem beschäftigt sich der Agraringenieur mit dieser alternativen Ernährungsform. Im April 2020 gründete er das Unternehmen EntoSus (von Entomophagie = Verzehr von Insekten und sustainable = nachhaltig). Gemeinsam mit der Lebensmitteltechnologin Melanie Christians entwickelt er verschiedene Produkte auf Basis von Grillen.
In einem sogenannten Pilotprojekt haben die Jungunternehmer dann in Bremen Biogrillen gezüchtet. Schnell war klar, dass mit den Krabbeltieren die eigene Ernährung ganz neu erfunden werden kann. „Studien zeigen, dass Menschen eher bereit sind, Grillen zu essen als beispielsweise Mehlwürmer“, erläutert Florian Berendt die Entscheidung für die Krabbeltiere.
In einem kleinen Raum, in offenen Plastikboxen mit Eierpappen, züchtet der Grillenfan anfangs die sogenannten Heimchen, eine Langfühlerschrecke aus der Familie der Echten Grillen.
Im Mai 2020 ist EntoSus gewachsen. Im Hemelinger Industriegebiet stehen seitdem weitere Container. „Dadurch können wir den Grillennachwuchs sichern“, sagt Berendt. Mehrere Millionen Tiere krabbeln inzwischen in den großen Plastikbehältern. EntoSus ist die erste biozertifizierte Grillenfarm Europas.

Foto: Christina Kuhaupt

Die Geschichte des Essens

Während Curry, Sushi und Co. heute im Trend liegen, waren es vor mehr als 50 Jahren noch Sülze, Innereien und andere deftige Dinge. Das hängt vor allem mit der Verfügbarkeit der Zutaten zusammen. Früher gab es nicht so eine große Auswahl. Die Menschen kochten mit den Sachen, die preiswert waren und zugleich gesättigt haben. Mais, Reis und Kartoffeln waren neben Brot häufig auf dem Speisezettel zu finden. Fleisch hingegen galt teilweise als Luxus und kam eher selten auf den Teller. Inzwischen gibt es aufgrund technischer Entwicklungen und der Möglichkeit eines schnellen Transports viele Nahrungsmittel, die hierzulande überhaupt nicht wachsen – und alles nahezu im Überfluss.

Foto: Carsten Rehder/DPA

Vorteile der Ernährung mit Insekten

Die Insekten stecken nachweislich voller guter Dinge wie Proteinen, Eisen, Vitaminen und Spurenelementen. Die sind allesamt für den Körper wichtig, um beispielsweise Muskeln aufzubauen oder die Organe funktionsfähig zu halten. Die Zucht von Insekten braucht zudem deutlich weniger Platz als die herkömmliche Tierzucht: Die pflegeleichten Grillen benötigen weniger Futter. Bei ihrer Aufzucht entsteht gerade mal ein Prozent der Treibhausgasemissionen und sie brauchen 15.000 Mal weniger Wasser gegenüber der Erzeugung von Rindfleisch. Um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, braucht es zudem 25 Kilogramm Futter. Dagegen benötigt man für ein Kilogramm Insekten nur zwei Kilogramm Futter! Also eine gute Alternative zum Fleischkonsum.

Achtung: Allergiker sollten beim Verzehr von Insekten vorsichtig sein. Denn wer allergisch auf Krebstiere oder Hausstaubmilben reagiert, kann eine solche Reaktion auch bei den Krabbeltieren zeigen.

Den vollständigen Beitrag mit vielen weiteren Informationen zur Bremer Grillenfarm sowie der Ernährung der Zukunft findest du in der Kinderzeitung (156. Ausgabe vom 15. Januar).

AOK Die Sparkasse Bremen