Reporter als Dolmetscher

Ein Fußballspiel im Stadion ist etwas Besonderes. Das weiß auch Regina Hillmann. Sie ist seit ihrer Geburt sehbehindert. Auch wenn sie die Spieler nicht sieht, im Stadion jubelt sie ihrem Verein leidenschaftlich zu.

Foto: Boris Rössler/dpa

„Mein Interesse für Fußball haben meine Eltern geweckt“, erinnert sich Regina Hillmann. Sie ist 1970 in einer Kleinstadt in der Nähe von Bremen geboren und dort aufgewachsen. Sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater begeisterten sich für Fußball und so dauerte es nicht lange, bis Hillmann zum ersten Mal ins Weserstadion ging. Heute lebt sie in Nordfriesland. Ihr Fußballherz schlägt aber für den 1. FC Köln.

„Von 1985 bis 1990 hatten mein Vater und ich Dauerkarten bei Werder“, erinnert sie sich. Mit einem Sehvermögen von lediglich drei Prozent sowie einem eingeschränkten Gesichtsfeld kann sie das Geschehen auf dem Spielfeld nicht erkennen. „Anfangs hat mein Vater mir die Szenen beschrieben.“ Dafür gibt es heute spezielle Blindenreporter, die Hillmann mit ihrer Freundin Nina Schweppe ins Leben gerufen hat. Erstmalig wurde ein Spiel im Stadion von Bayer Leverkusen im Oktober 1999 auf diese Weise kommentiert. „Das war ein Versuch. Seitdem haben wir aufgrund der Erfahrungen das Prinzip weiterentwickelt“, erläutert Regina Hillmann.

Foto: Regina Hillmann

Über einen Kopfhörer gibt es die Audioreportage für die Blinden und Sehbehinderten auf die Ohren. „Die Moderation muss auf Ballhöhe sein“, unterstreicht die fußballbegeisterte Frau, dass Blindenreporter anders über das Spiel berichten als etwa Radiomoderatoren. In erster Linie sei es wichtig, dass es keine zeitliche Verzögerung gebe. „Sonst jubeln die Menschen um dich herum und du weiß gar nicht, was los ist“, verdeutlicht Hillmann. Oberste Priorität hat zudem stets das Spielgeschehen. „Was im Publikum oder auf der Trainerbank passiert, interessiert mich nicht“, sagt die Blinde. Vielmehr sei jeder Ballkontakt entscheidend. Ein Blindenreporter darf zu keiner Zeit stumm sein und muss dauerreportieren. Deshalb gibt es häufig zwei Personen, die sich den Posten bei einem Spiel teilen, weil die Reportage höchste Aufmerksamkeit erfordert und auch für die Stimme recht anstrengend ist.

Noch mehr Infos zu den Blindenreportern findet ihr in der aktuellen Kinderzeitung des WESER-KURIER (Ausgabe 176 vom 4. Juni).

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