Mehr als nur ein Sport

Sie springen über Müllcontainer, hangeln sich an Mauern entlang oder beeindrucken mit einem Salto aus dem Stand: Wer den Sport Parkour betreibt, benötigt Kraft, Ausdauer und eine gute Körperbalance.

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Parkour ist die wohl kreativste, aber auch eine anstrengende Art der Fortbewegung. Bei dem Sport geht es darum, ausschließlich mit den Fähigkeiten des Körpers effizient von einem Punkt zum nächsten zu gelangen. Dabei gilt das Motto: Der Weg ist das Ziel. Die Grundelemente bestehen aus verschiedenen Arten des Laufens, Balancierens, Drehens, Springens und Landens, Hangelns und Kletterns. Dabei ist es wichtig, seine eigenen Grenzen zu erkennen und respektvoll mit der Umgebung umzugehen. Bei den Stunts soll schließlich alles heil bleiben. Parkour ist keine Wettkampfsportart. Hierbei zählen vielmehr der eigene Fortschritt und die Erfolgserlebnisse. „Du kannst vollkommen untrainiert zu uns kommen und wirst schnell Verbesserungen erkennen“, lädt Dirk Starke Kinder (ab zehn Jahren) und Jugendliche nach Syke ein.

Dirk Starke engagiert sich seit sieben Jahren in der Sportart und gibt seine Faszination und sein Wissen seit rund drei Jahren an Kinder sowie Jugendliche in der Hachestadt weiter. „Für das normale Turnen war niemand zu begeistern, aber beim Parkour waren die Kinder Feuer und Flamme“, erinnert er sich an die Anfänge. Das zweistündige Training des 52-Jährigen startet mit einem ausgiebigen Aufwärmprogramm. Dabei werden die Muskeln warm, Bänder und Sehnen gedehnt und so auf die nachfolgenden Belastungen durch Sprünge und Erschütterungen beim Landen vorbereitet. Neben Laufen gehören verschiedene Übungen zum Aufwärmen: „Wir imitieren die Bewegungen von Tieren – etwa von Krabbe, Spinne und Leguan“, erläutert Starke, der stets einen Blick auf die korrekte Körperhaltung seiner Nachwuchssportler hat. Hinzu kommen Bodenübungen wie Sit-ups und Liegestütze zum Muskelaufbau.

Foto: Anika Seebacher

„Es geht darum, Körpergefühl zu entwickeln“, sagt der Trainer. Gleichzeitig werden Kondition und Kraft verbessert. In der Sporthalle trainiere man in einem geschützten Raum. Verletzungen habe es bei seinem Training bislang noch nie gegeben, berichtet der Trainer. Wer hingegen draußen Parkour betreibe, müsse sich darüber bewusst sein, dass ein Sturz auf Beton schmerzhaft sein kann. Außerdem dürfen nur öffentliche Plätze genutzt werden und die Rücksicht auf andere Passanten sowie die Umgebung müssen stets im Vordergrund stehen. Beim Parkour gilt unter anderem die Devise: Übung macht den Meister. So müssen zunächst die Grundlagen, wie das richtige Abspringen und Abrollen sitzen, damit man sich an neue Hindernisse heranwagen kann.

Doch Parkour ist nicht nur ein Sport. „Man lernt Respekt und Vertrauen“, berichtet Moritz. Der 20-Jährige hat die Sportart mit 14 Jahren für sich entdeckt und in der Gruppe viel gelernt. „Das Teamgefühl steht hier stets an erster Stelle“, unterstreicht der junge Mann, der inzwischen nur noch selten in der Halle vorbeischaut. Sein Studium bei der Polizei nimmt viel Zeit in Anspruch. Doch das Parkourtraining macht sich bezahlt, sagt Moritz. „Der Sporttest bei der Aufnahmeprüfung war für mich kein Problem.“ Als begeisterter Traceur (sprich: Tra-sör), so nennen sich diejenigen, die Parkour ausüben, gibt er Tipps, wie man sich außerhalb der Trainingszeiten fit halten kann: Stabilität in den Beinen aufbauen, Lauftraining als Grundlage und Burpees (Mischung aus Kniebeuge, Liegestütz und Strecksprung) für die Sprungkraft. „Eine spezifische Übung gibt es nicht. Die Sportart ist sehr individuell.“ Deshalb gibt es auch keine starren Regeln. Jeder Sportler trifft eigene Entscheidungen, ob und wie er ein Hindernis bewältigt.

Foto: Anika Seebacher

Ursprünge des Parkour
Das Heimatland des Parkour ist Frankreich. Dort kombinierte einst Georges Hébert seine körperliche Stärke mit Mut und entwickelte ein Prinzip, das für Fluchttechniken von Soldaten verwendet wurde. In den 1980er-Jahren nutzte der Soldat Raymond Belle diese Technik. Er trainierte für seinen Job, wie man Hindernisse am besten überwindet. Dessen Sohn David Belle interessierte sich ebenfalls für die Übungen, entwickelte sie mit seinen Freunden weiter und machte Parkour stadttauglich. Bekannt wurde der Sport durch zahlreiche Action­filme, Videospiele und Musikvideos.

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