Forschen im freien Fall

Er ist 146 Meter hoch und auf den ersten Blick eher unscheinbar: der Fallturm an der Universität Bremen. In diesem Monat feiert das ungewöhnliche und europaweit einmalige Labor seinen 30. Geburtstag.

Stefan Schmidbauer

Der Fallturm gehört zur Skyline Bremens wie das Rathaus und der Dom. Das hohe, schmale Gebäude ist ein ungewöhnliches Labor und europaweit einzigartig. Und es ist bei Forschern aus aller Welt sehr beliebt. Vor 30 Jahren wurde der Turm in Betrieb genommen. Es war damals eine der ersten Anlagen dieser Art für wissenschaftliche Zwecke. Doch was geschieht in dieser Forschungseinrichtung eigentlich? Die Wissenschaftler führen Fallversuche durch. Sie nutzen die Schwerelosigkeit, die durch den freien Fall entsteht. Die zu untersuchenden Dinge kommen in eine Fallkapsel, die 110 Meter in die Tiefe fällt. Wichtig ist, dass die Fallröhre so gut wie luftleer ist. So wird der Luftwiderstand der Kapsel so gering und sorgt für beste Schwerelosigkeit. Das einfache Fallexperiment dauert 4,7 Sekunden. Wird das Katapult genutzt verlängert sich der freie Fall auf 9,3 Sekunden. Die Kapsel rast in der kurzen Zeit bis zu 168 Stundenkilometer hinab. Damit die Kapsel bei der Landung unbeschädigt bleibt, fällt sie weich in einen sogenannten Abbremsbehälter. Darin liegen unzählige Styroporkugeln. Wissenschaftler aus aller Welt forschen in diesem Großlabor auf unterschiedlichen Gebieten. Sie testen Materialien, Strömungsvorgänge in Flüssigkeiten, betreiben Grundlagenforschung der Physik und nutzen die Schwerelosigkeit auch, um vorab Experimente durchzuführen, die später im Weltraum stattfinden sollen. 30 Jahre nach seiner Eröffnung zählt das ZARM fast 9000 Experimente im Fallturm. Glückwunsch!

Der kleine Bruder Mit gerade einmal 16 Metern Höhe ist der neue Fallturm um einiges kleiner als sein älterer Bruder. Doch das ist kein Nachteil. Während in dem größeren Turm täglich nur drei Experimente durchgeführt werden können, werden es in dem neuen Turm bis zu 100 Versuche sein. Denn hier muss nicht nach jedem Versuch erneut ein Vakuum, also ein luftleerer Raum, erzeugt werden. In diesem Turm wird eine Seilwinde genutzt, um die Kapsel zu bewegen. Ähnlich wie beim Katapult wird die Fallkapsel sehr schnell nach oben befördert und anschließend wieder fallen gelassen. Damit erreicht der GraviTower Pro einen freien Fall von zweieinhalb Sekunden. Anfang nächsten Jahres soll der Turm fertig sein. 1,6 Millionen Euro kostet das neue Labor, das unter dem Glasdach des Forschungsinstituts Platz findet.

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