Alpakas sind keine Kuscheltiere

In Hallstedt leben sieben Alpakahengste, die regelmäßig von Besuchern durch den Ort geführt werden - eine Wanderung, bei der sich Ruhe und Gelassenheit einstellen.

Foto: Anika Seebacher

An einem schönen Herbstnachmittag betreten einige Kinder und Erwachsene die Weide von Dominik Neisser und Nadja Jaißle in Hallstedt. Dabei werden sie neugierig von sieben Alpaka-Hengsten beobachtet.

Bao hat in der Gruppe das Sagen. Der schwarze Hengst ist das Leittier: Alle sechs Alpakas folgen seinem Verhalten. Außerdem passt er auf, dass keine Eindringlinge die Ruhe auf der weitläufigen Weide in Hallstedt (Landkreis Diepholz) gefährden. Neugierige Blicke gibt es jetzt sowohl von den Menschen als auch von den Tieren. Während des Kennenlernens auf der Weide stellt Besitzer Dominik die Alpakas und ihre Besonderheiten vor. „Alpakas sind sehr sensible Tiere. Sie sind sehr aufmerksam und haben gute Ohren“, sagt der Osteopath. Zusammen mit seiner Partnerin arbeitet er in einer Praxis für Naturheilkunde. Die Alpakas sind für die beiden Therapeuten aber nicht nur ein Hobby, sondern eine Leidenschaft.

Vor vier Jahren schafften sie sich die ersten beiden Hengste an. Seitdem ist die Herde stetig gewachsen, seit Ostern 2019 unternehmen Dominik und Nadja geführte Touren durch den kleinen Ort. Denn die Alpakas stehen nicht nur den ganzen Tag auf der Weide. Das wäre auf Dauer zu langweilig. Dominik und Nadja bieten sogenannte Erlebniszeiten mit ihren felligen Mitbewohnern an. „Dabei werden die Tiere zu Therapeuten“, sagt Dominik. Denn durch die Begegnung könne Stress reduziert werden. In kleinen Gruppen führen die Gäste die Alpakas zwischen zwei und drei Stunden durch die Felder. „Hengste eignen sich dafür besser“, sagt Dominik. Doch bevor es losgeht, müssen Mensch und Tier zusammenfinden. Während Dominik und Nadja die Halfter anlegen, entscheiden sich die Teilnehmer für „ihr“ Alpaka. Häufig machen die Tiere noch ihr Geschäft, bevor sie aufbrechen. „Es sind sehr saubere Tiere“, sagt Dominik und zeigt auf eine Badewanne auf der Weide, die im Sommer genutzt wird. Außerdem gibt es drei Plätze auf der Weide, wo die Tiere ihr Geschäft erledigen. Dort fressen sie nicht mehr.

Am Führstrick geht es schließlich runter von der Weide. „Ein Alpaka verhält sich immer so, wie es der Mensch ihm vorgibt“, erläutert Nadja. So spiegeln sie das Verhalten desjenigen wieder, der sich am anderen Ende des Führstricks befindet. Idealerweise laufen die Teilnehmer auf Kopfhöhe mit ihrem Alpaka. Während des Spaziergangs sollen sie darauf achten, dass die Alpakas nicht fressen. Das ist nur in der Pause erlaubt. Und auch wenn sie so aussehen: „Alpakas sind keine Kuscheltiere.“ Eigentlich mögen sie nicht gern angefasst werden – besonders nicht am Kopf, am Hinterteil und an den Beinen. Daher dauert es einige Zeit und Meter bis der erste Kontakt stattfindet. „Man muss ihnen regelrecht beibringen, sich anfassen zu lassen“, sagt Dominik. Der Spaziergang an diesem Nachmittag läuft gemütlich ab. Das ist auch das Ziel: „Man soll den Alltag hinter sich lassen und entspannen“, sagen die Alpakafreunde. Immer wieder bleiben die Tiere stehen, schauen in der Gegend herum. Und wenn sie sich wieder in Bewegung setzen, halten sie eine bestimmte Reihenfolge ein. Habibi läuft vorne weg, Pablo bildet das Schlusslicht. Mit Leckerlis lockt Dominik immer wieder ein anderes Alpaka an die Spitze. Doch die Herdentiere mögen ihre Stammplätze und kehren immer wieder in die Gruppe zurück.

Weitere Infos und andere spannende Themen findest du in der Kinderzeitung (Ausgabe 148).

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