Die Trolle in Island treiben allerhand Schabernack mit den Bewohnern. Foto: Yule Lads/Promote Iceland

„Böse Kinder bekommen eine alte Kartoffel“

Auf Island treiben 13 Trolle in der Adventszeit ihr Unwesen. Genau 13 Tage halten sie die Bewohner des Inselstaates auf Trab. Soffia Kristin Jonsdottir ist eine von ihnen. Sie kennt sich mit den wundersamen Wesen mit den ulkigen Namen gut aus.

Stimmt es eigentlich, dass es in Island nicht nur einen, sondern gleich 13 Weihnachtsmänner gibt?

Soffia Kristin Jonsdottir: Ja, das stimmt. Es sind 13 Brüder, die im Dezember aus den Bergen hier in Nordisland in die Stadt kommen. Die Brüder sind übrigens halb Troll, halb Mensch.

Und was machen sie?

Soffia Kristin Jonsdottir: Sie kommen einer nach dem anderen vom 12. bis zum 24. Dezember und bringen den Kindern Süßigkeiten mit – zumindest den Kindern, die lieb waren.

Und was passiert mit den anderen Kindern?

Soffia Kristin Jonsdottir: Die bekommen eine alte Kartoffel.

Foto: Yule Lads/Promote Iceland

Oh je.

Soffia Kristin Jonsdottir: Das kann man wohl sagen. Allerdings passiert das nicht so häufig.

Kann man den Trollen eigentlich begegnen?

Soffia Kristin Jonsdottir: Ja und nein. Nein, weil Trolle eigentlich nur in der Nacht unterwegs sind und nie tagsüber. Und ja, weil es in unserer Gegend Felsformationen gibt, die wie die Trolle aussehen.

Sind die Weihnachtstrolle eigentlich frech?

Soffia Kristin Jonsdottir: Vor 100 Jahren sollen sie sehr frech gewesen sein, aber heutzutage sind sie an Menschen gewöhnt. Sie lieben es, zu tanzen, zu singen und mit Menschen zusammen zu sein.

Die Trolle haben zum Teil lustige Namen wie Kessel- kratzer, Türentreter, Rauchwursträuber, Fenster- glotzer oder Kerzenschnorrer. Sind das alles Dinge, die Trolle in fremden Häusern machen?

Soffia Kristin Jonsdottir: Ja, ihre Namen beschreiben ihren Charakter, das ist das, wofür sie berühmt sind. Der Fensterglotzer zum Beispiel ist sehr neugierig und liebt es deshalb im dunkeln bei den Leuten ins Wohnzimmer zu schauen. Und naja, zum Wursträuber muss ich wohl nicht so viel sagen… Also, ein wenig frech sind die Weihnachtstrolle dann doch.

Welcher der 13 Brüder kommt eigentlich an Heiligabend zu den Kindern?

Soffia Kristin Jonsdottir: Das ist der Kerzenschnorrer. Wir beginnen bei uns wie in Deutschland auch an Heiligabend mit dem Weihnachtsfest. Dann bekommen die Kinder ihre Geschenke, die der Kerzenschnorrer bringt. Es kann allerdings sein, dass etwas fehlt, wenn er wieder geht: nämlich Kerzen. Davon lässt er schon mal die ein oder andere mitgehen. Manchmal finden die Kinder die Kerzen auch in ihren Schuhen wieder.

Was machen die Trolle eigentlich, wenn sie in den Bergen sind?

Soffia Kristin Jonsdottir: Trolle schlafen unheimlich gern. Sie ruhen sich dann aus und bereiten sich auf das Weihnachtsfest vor.
AOK Die Sparkasse Bremen BreBau